Die alten Steinpfade über dem See
Am Bahnhof Varenna-Esino-Perledo aussteigen und schon spürt man, dass hier etwas hinaufführt. Zehn Gehminuten und man steht auf dem Hauptplatz, dem Piazzale Martiri della Libertà: der See liegt in Blau und Grau vor einem, die Berge im Rücken. Ein kleines Schild an der Via Venini weist bergwärts: "Esino Lario, 2h30'". Der Asphalt endet nach kaum 300 Metern — dann beginnen die Steine. Breite, unregelmäßige, von Zeit und Wasser gelockerte Steine, dieselben, die die Bauern von Esino mit schwer beladenen Maultieren auf dem Weg zum Varennamer Markt getreten haben. Das sind die historischen Maultierpfade — die älteste Verbindung zwischen See und Berg.
Der Weg überwindet 550 Höhenmeter auf 6,5 Kilometern, durch Kastanienwälder, die im Herbst golden werden, feuchte Schluchten, wo die Luft nach Moos und Frische riecht, und Kalkfelsen, in denen sich noch Spuren triassischer Fossilien finden lassen. Das ist kein Weg zum Rennen — es ist ein Weg zum Gehen und Schauen. Das Dorf Esino Lario (914m) taucht fast überraschend hinter dem letzten Plateau auf: Steindächer, Kirchturm, die Grigne dahinter wie eine Theaterkulisse. Die Strapazen vergisst man schnell.
Anreise zum Ausgangspunkt
Varenna ist bequem mit dem Zug aus ganz der Lombardei erreichbar. Kein Auto notwendig — in der Hochsaison ist der Parkplatz in Varenna ohnehin oft voll. Der Zug ist die ideale Option: in Varenna starten, zu Fuß nach Esino aufsteigen, per Bus zurückfahren.
Takt: ca. stündlich an Werktagen, alle 2h am Wochenende.
Kein Umsteigen erforderlich.
Alternative: Fähre ab Como Lungo Lario.
Die Fähre ist langsamer, aber landschaftlich eindrucksvoll.
Ca. 6–8 Züge täglich; häufiger an Werktagen.
Fahrpläne auf trenord.it oder der Trenord-App.
Vom Bahnhof Varenna-Esino-Perledo zum Piazzale Martiri della Libertà (Wanderstart): 10 Gehminuten, leicht bergauf durchs Dorf. Autoparkplatz beim Bahnhof vorhanden, aber an Juli- und August-Wochenenden vor 9:00 Uhr voll.
Die Route Schritt für Schritt
Was tun in Esino Lario
Esino Lario ist nicht nur das Ziel des Aufstiegs — es ist ein authentisches Bergdorf mit eigener Geschichte, triassischen Fossilien und Wegen zur Grigna. Nach der Wanderung gibt es viel zu entdecken.
Alles, was man wissen möchte
Zurück nach Varenna nach dem Aufstieg
Drei Möglichkeiten zur Rückkehr nach Varenna. Die bequemste ist der Bus SP62, der in der Hauptsaison freitags, samstags und sonntags fährt.
| Tag | Abfahrt in Esino | Ankunft in Varenna | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Freitag | ~14:30 / ~17:00 | ~15:00 / ~17:30 | Auf ASST Lecco prüfen SP62 |
| Samstag | ~10:30 / ~14:30 / ~17:00 | ~11:00 / ~15:00 / ~17:30 | Mehr Kurse in der Hauptsaison |
| Sonntag | ~10:30 / ~14:30 / ~17:30 | ~11:00 / ~15:00 / ~18:00 | Sommer-/Winterfahrplan prüfen |
| Mo–Do | Eingeschränkter Betrieb | — | Schul-/Dienstbus — kein Touristenbus |
⚠️ Die angegebenen Zeiten sind Richtwerte. Immer den aktuellen Fahrplan auf der Website von ASST Lecco oder im Gemeindeamt prüfen. Ticketpreis ca. €2,50.
Der Sentiero del Viandante — obere Variante
Die Maultierpfade, die von Varenna nach Esino führen, sind nicht nur ein Wanderweg: sie sind eine der historischen Varianten des Sentiero del Viandante, des alten mittelalterlichen Weges, der am Ostufer des Comer Sees von Lecco bis zu den Tälern der Adda und des Mera verlief. Da die Felsen zwischen Mandello und Bellano senkrecht in den See fallen, musste der mittelalterliche Weg hinauf nach Ortanella (einem Ortsteil von Esino Lario) klettern, bevor er wieder nach Vezio und dann am See entlang abstieg.
Wer diese Pflastersteine begeht, tritt in die Fußstapfen mittelalterlicher Händler, napoleonischer Soldaten und Geologen des 19. Jahrhunderts, die zu den Fossilfundstätten der Grigna unterwegs waren. Der Torre di Esino — ein Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert auf 950m — war Teil des Wachturmsystems, das diesen Übergang bewachte. Ein kurzer Abstecher nach Sciorcasela lässt ihn noch heute erkennen.